Weißwalfang vom Kajak

Erzählt von dem Fänger Peter Røsing aus Kangâmiut
und Amos Jakobsen aus Sârdloq, Nuuk (Godthåb)
Aus dem Buch : Grønlandske Fangere fortæller
Nordiske Landes Bogforlag 1971

Weißwalfang kann man überall dort betreiben, wo man sicher ist, dass dort auch Weißwale ziehen. Bedingung beim Fang ist, es darf nicht zu starker Seegang herrschen und die Strömung darf nicht zu stark sein, dass man eventuell die ausgeworfenen Fangblase nicht sieht oder verliert. Die besten Fangplätze sind dort, wo Eisfelder treiben und das Wasser etwas trübe ist. Weißwale hören und sehen sehr schlecht in dem trüben Wasser.

Wenn man Weißwale jagen will, muss man sich entsprechende Fjorde aussuchen. Ist der Fjord tief, streben die Wale zum Grund wo sie ihre Nahrung suchen. Dort ist schlecht zu jagen.

Wenn man einen Wohnplatz gründet, sollte man daran denken, ob dort auch Weißwale durchziehen. Man sollte den Platz so anlegen, dass man eine gute Aussicht hat und die sich nähernden Weißwale es nicht merken. Es wäre die besondere Anforderung an einen Wohnplatz, dass man ein gutes Aussichtsfeld auf den Fangbereich hat.

Weißwalfang kann man auf verschiedene Methoden betreiben. Allerdings kann man sie am besten jagen mit der Harpune mit der man auch Robben jagt. Wenn man damit einen Seehund erlegt, kann man auch einen Weißwal damit überlisten. Weißwale sind sehr schnell zu erschrecken und das enttäuschende an der Jagd ist, dass sie alle dann schnell fort sind. Deswegen sagte ein tüchtiger Weißwalfänger, dass der Weißwalfang nichts für die Jäger ist, die schnell aufgeben. Geduld muss man haben.

Weißwale spähen in der Regel etwas über die Wasserfläche, bevor sie wieder untertauchen. Gleich nach dem Auftauchen sehen sie gerne nach links, rechts oder zurück. Nach dem Auftauchen dreht er sich auch zur Seite. So muss man immer aufpassen, dass man nicht in das Sichtfeld des Wales kommt.

Wenn man auf einen durchziehenden Zug Wale wartet, sie ziehen an der Küste, an dem Ufer entlang, ist es am besten, dass man am Strand im Kajak sitzend, sie erwartet, weil man sonst nicht so schnell zu ihnen kommt.

Weißwale bewegen sich gegen den Wind, hören dann nicht gut, besonders wenn etwas Seegang geht. In dem Moment ist es leicht sich an sie heranzupirschen. Dann muss man aber aufpassen, dass die Harpunenleine nicht durch den Wind verblasen wird, soweit man die Harpune bereits gegriffen hat.

Weißwale die durchziehen, jagen ihre Nahrung nicht dicht zusammen. Man muss sich heranpirschen mit einer gewissen List, indem man sich genau die Lage merkt wo sie ziehen bzw. tauchen und dass man nicht zu dicht an die Wale herankommt und die Wale uns bemerken. Wenn Weißwale, die sich nicht gerade weiterbewegen oder auftauchen, sollte man nicht zu dich zu ihnen rudern. Erst wenn sie untertauchen sollte man sich vorsichtig nähern und wenn sie dann auftauchen, sich besonders langsam nähern. Am besten rudert man von der Rückseite, denn können nicht nur sehr gut hören, aber sie sind sehr scharfsichtig von der Nähe. Kommt man von der Seite, wird man in der Regel gesehen, wenn man so nahe ist dass man bereits harpunieren kann. Man muss sich darum möglichst langsam, vorsichtig bewegen und zuerst die Harpune greifen. Wenn er gerade wieder auftaucht kann er etwas weniger sehen. Wenn man nicht geübt ist im Weißwalfang, sollte man erst nur die Wale betrachten ohne Harpune um die Situation zu beurteilen.

Wenn man die Harpune wirft, sollte man darauf achten, auf welche Seite die Leine fällt. Fällt sie auf die dem Wurfarm abgekehrte Seite, soll man schnell die Fangblase klarmachen und auswerfen. Aber wenn die Leine zur Wurfseite Seite fällt, so werfe augenblicklich die Fangblase hinaus.

Wenn der Weißwal an der Leine oder der Fangblase schnell ruckt, ist er in der Regel nicht weit fort. Aber wenn es lange dauert bis er an der Leine ruckt, ist er auch weiter fort.

Wenn man danach bestrebt ist dem Weißwal zu folgen, darf man nicht die Ölspur des harpunierten Wales verlieren. Wenn man den Weißwal versucht zu töten, sollte man den Kajakruf ertönen lassen bevor er wieder auftaucht. Weißwale sind nicht sehr scheu wenn er sich dann nähert und unter dir taucht zieht er möglicherweise die Fangblase herunter. Wenn man dann weiter nach dem Wal sucht, die Fangblase taucht wieder auf, der Wal ist nicht sehr scheu, will er seine Distanz halten oder verringern. Kann man nicht erkennen, ob der Weißwal harpuniert ist, er bewegt sich sehr schnell und hat dabei die Neigung die Fangblase unter Wasser zu ziehen.

Ein harpunierter getroffener Weißwal hat die Neigung sich auf die Seite zu drehen, auf der er verwundet ist. Wenn die Fangblase zieht, sie ist vor dem Wal, da wo man ihn auch untertauchen sah. Kommt man etwas näher an die Stelle, dann taucht der Wal wieder auf, ein harpunieter Wal ist sehr schnell.

Wenn man den Weißwal aufschneiden will, weil er nicht mehr taucht, muss man vorsichtig sein denn es kann sein dass er mit der Finne noch schlägt und das ist nicht ungefährlich. Ein deutliches Zeichen, dass der Wal tot ist, wenn er sich nicht mehr wirft.

Da Weißwale recht schwer sind , sind sie nicht so einfach in Schlepp zu nehmen wie ein Seehund. So musst du dein Bugsiergerät ordnen und den kurzen Riemen und die Fangblase mit der Harpunenleine verbinden und setze es fest unter die Querriemen von deinem Kajak. So kann die Fangblase wieder auf ihren Platz. Stecke deinen Eiskratzer in die Öse von dem kurzen Riemen. Nehme den kurzen Riemen mit dem Eisschaber, zwischen deine Zähne und mache dein Kajakmesser klar. Am Ende bläst der Wal noch etwas, dann kann man ihn in Schlepp nehmen. Man macht mit dem Eisschaber ein loch zwischen Kiefer und eine Seite der Oberlippe. Dann den kurzen Riemen über die Fangblase bis zum Kiefer des Wales. Wenn das geschafft ist, ist das wichtigste überstanden.

Einige Weißwale sind schwierig zu schleppen, weil sie die Neigung haben sich auf die Seite zu drehen. Wenn man das hat, sollte man die Fangblase auf die abgewandte Seite binden, dann liegt er gut.

Zum Weißwalfang sind die alten grönländischen Kajakwaffen die best geeigneten. Ein Gewehr kann man nicht benutzen, da das getötete Tier schnell absinkt. Wenn erst die Fangblase am Tier befestigt ist, der abziehende Wal wird durch das Ziehen der Fangblase müde.

Für den der Weißwale fangen will, ist es wichtig, dass er seine Waffen in Ordnung hält und dass man nichts während des Fangs verliert. Wenn einer seine Sachen nicht pflegt, kann er auch mit dem Kajak keine Wale jagen. Da erwartet man lange den Wal und dann ist auf dem Deck nicht alles in Ordnung, wenn man dann noch schnell rudert.

Die Fanblase und die Harpune zum Weißwalfang soll von solider Qualität sein. Die Fangblase soll nicht zu groß und die Leine darf nicht brüchig sein.

Die Harpunenleine soll ebenfalls von guten Seehundsfell und gut elastisch sein. Die Besonderheit liegt in der Elastizität. Man macht eine lange Harpunenleine. Wenn der Wal plötzlich ruckt, ist es gefährlich wenn man eine kurze Leine verwendet und sie reißt.

Die Harpune oder Flügelharpune, die gut in der Hand liegt ist die am besten geeignete.

Der Riemen, der die Harpunenspitze hält, soll nicht so stramm wie bei dem Seehundfang gezogen sein. Man braucht die Harpunen für den Wal, da soll die Spitze nicht so leicht lösbar sein.

Die Harpunenspitze (Klinge) soll nicht so lang sein aber möglichst breit, so dringt sie besser in die fleischhaltigen Teile des Wals. Man sollte versuchen den Rücken zu treffen. Trifft man den Unterleib, bleibt die Spitze nicht sicher sitzen. Alte Harpunenspitzen lösen sich oft. Neue, mit einer an der Rückseite guten Verbindung, eignen sich gut für den Weißwalfang.

Lange Fangmesser mit großen Metallspitzen eignen sich bestens um den Weißwal zu töten. Es kommt auch vor, dass das Fangmesser im Wal hängen bleibt. So sollte man ein extra Messer bereit haben. Der Vogelpfeil ist auch zu gebrauchen wenn man den Wal vorbereitet und das Bugsiergeschierr klar macht.

Dass man viele findet von diesen großen Fangtieren in unserem Bereich. Da müssen viele Menschen von leben und das ist für die Fänger ein lohnender Fang.


Nachsatz:
Der Bericht wurde in dänisch, in der erzählenden Form der Fänger geschrieben, wie ihn die Fänger berichtet haben. Die visualisierende Form macht es spannend und lebendig.

Man muß sich in die Position des Fängers versetzen, wenige cm über dem Wasser, in dem nur wenige cm breiten Kajak, dann noch etwas Seegang, bei Temperaturen um 5-8°, auf der Jagd nach einem Seetier, dass ca. das 5-6fache Gewicht des Jägers hat. Eine Bedingung die die ganze Härte des Überlebens in diesem Raum vermittelt.

Eine statistische Zahl aus den Fangergebnissen vom 1. April 1922 bis 31. März 1923:
Im der gesamten Grönland Westküste wurden 1327 Weißwale gefangen (Weißwale werden überwiegend nur in den zwei -drei Sommermonaten gejagt).
In der gleichen Zeit wurden 14249 große Grönlandseehunde (Klappmützen), sowie 67042 kleine Seehunde gefangen ( Das wären bei 365 Tagen 183 kleine Seehunde per Tag, wobei aber nicht an allen Tagen gejagt wurde).
Der Weißwal wird bis 4,50 m lang. Ein Kajak hat in der Regel 5-5,50 m.
Das Gewicht beträgt 500-800 kg.
Er ernährt sich von in Schwärmen lebenden Fischen und Krebstieren.
Sie leben gesellig und jagen in Gruppen.
Die weiße Farbe dient dem Wal hauptsächlich zur Tarnung.