Der Bau des Kajaks
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Zunächst muss deutlich gemacht werden, dass der Bootsbau, wie wir ihn von einer üblichen Bootswerft kennen, nichts mit dem ursprünglichen Kajakbau zu tun hat. Die Methode des Kajakbaus ist in einer Zeit entwickelt worden, als man in Europa noch keinen Bootsbau in der Form der Fellboote kannte. Messwerkzeuge wie Maßstab, Wasserwaage, Straklatten oder ähnliches, gab es in Grönland nicht. Handwerkzeug im Sinne unserer Werkzeuge waren unbekannt. Während bei dem Sport- oder Seekajak heute als Kriterium überwiegend die Laufeigenschaften und das Verdrängungsvolumen betrachtet werden, hat der Kajak bei den Inuit die Anforderung als ein Jagdgerät, im gewissen Sinne eines Arbeitsplatzes. Es mussten auf dem Boot die verschiedensten Waffen und Hilfsmittel plaziert, sowie der Fang auf Deck oder im Schlepp transportiert werden. |
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Abbildg. Links: Kajakfahrer mit Ausrüstung
und Fang. Man beachte den Schnee auf Deck und Fahrer. Ort: Arsuk
Ivituut Foto Jette Bang 1936 |
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Eines der größten Probleme des Kajakbaus war es, in dem mehr oder weniger baumlosen Grönland oder der Tundra, an dem kanadischen Küstengürtel, das kostbare Holz für einen Kajak zu beschaffen oder zu finden. In den meisten Fällen kam das Holz aus den Flüssen und Küsten Sibiriens, Nordkanadas und Alaska. Nach dem Hochwasser gelangten die Stämme mit den Fließrichtungen in die Polregionen und danach mit dem Polarstrom an die Nordküste Kanadas, dann entlang der Ostküste und zur Westküste Grönlands. Die verwendeten Holzsorten gestatten eine sichere Zuordnung der Herkunft. Wo gibt es sonst Pitch- oder Oregonpine, Föhren, massive Stämme wie Lerche oder Fichte. Mit den vorhandenen Hilfsmitteln aus Holz in Form von Keilen und mit Steinen, später mit einfachen Metallwerkzeugen, mussten die Stämme bearbeitet werden. In höchst langwierigen Prozessen wurden die Holzteile dann in die Dimensionen gebracht, wie sie für den Kajak erforderlich sind |
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Montage der Rippen und Verzurrung der Deckstäbe an einem Kajakgerüst Bild aus: Eskimo - Geschichte Kultur, von D. Morrison, G.H. Germain Verlag Frederking & Thaler München 1996 |
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Wenn das Kajakgerüst gespreizt ist, hat man zugleich Maß genommen. Es muss auf den Besitzer zugeschneidert sein. Die Länge des Bootes beträgt drei Manneslängen. Die Breite des Bootes entspricht der Hüfte des Besitzers plus 3-4 Fingern. Es soll so passen, dass der Fahrer sich nicht darin verdrehen kann, aber er muss sich mit den Füßen und Hüfte stützen und eine sichere Balance halten können. Spanten und Querrippen wurden ebenfalls aus Treibholz geformt oder im südlichen Teil von Grönland aus Wacholderzweigen, die es dort durchaus gibt. |
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Das abgebildete Gerüst ist nicht in Grönland entstanden, sondern wurde in Odense durch Lars Rønsager 1995 gebaut. Die Spanten sind aus Esche geformt |
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Gesamtansicht, Links Bugteil, Länge 5,3 m, Breite 58 cm, Gewicht 19 kg Die Höhe der Spanten im Vorschiff werden durch den ausgestreckten Fuß, bzw. die Fußhöhe bestimmt. Sind diese Maße fixiert, werden die Querstringer im Deck und die Spanten von unten in die Seitenbretter eingefügt. Befestigt man die Bauteile heute teilweise mit Schrauben, waren es früher Dübel aus Holz, aus Knochen geschnitzte Stifte und Sehnen, die dieses Wunderwerk in Form hielten. |
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Frauen reparieren ein Kajak, Bild aus dem Film "SOS Eisberg" 1929-30 Foto: Ferd Vogel Die Bespannung des Kajak bestand aus dem Fell des Seehundes. So war die Größe der Felle abhängig von dem Vorkommen. Gewöhnlich nahm man das Fell des grönl. Seehundes, der erwachsen bis zu 2m Größe entwickeln kann. Früher wurden auch die Felle der Klappmütze und in Ausnahmefällen die Häute von Weisswalen verwendet. Die Aufbereitung der Felle war die Arbeit der Frauen. Nach dem Entfetten, dem Enthaaren mit dem Ulo, einem Schabegerät, werden die Felle mit verschiedenen Hilfsmitteln wie Asche, Tran, Blut und Urin „chemisch“ bearbeitet. Bevor sie dann über das Kajakgerüst gespannt wurden, lagern sie noch ein paar Wochen im Salzwasser. Danach waren sie so elastisch, dass sie um die doppelte Größe gespannt werden konnten. In neuerer Zeit verwendet man auch Leinentuch mit Ölfarben und entsprechender Bemalung. Es ist günstiger eine Seehundhaut beim Händler zu verkaufen, gegenüber der Anwendung als Kajakbespannung. Früher wurden die Häute über den KGH (königlich grönländischer Handel) verkauft. |