Inuit-Kulturen - Kajaks, ab wann?

Landläufig verbindet man mit dem Namen Eskimo oder Inuit den Einsatz des Kajaks. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ist jedoch nachgewiesen, dass der Kajak als Jagdgerät nicht unmittelbar zu den Kulturen zählte. Ernährungsfragen mit den verschiedenen klimatischen Veränderungen, verbunden mit der Anwesenheit oder den Wanderungen der zu jagenden Tiere, führten mit einer gewissen Zwangsläufigkeit während der Besiedlungsphasen zu dem Weg auf das Wasser, zu der Entwicklung des Jagdgeräts Kajak

Wir haben uns in der musealen Präsentation zunächst ausschließlich auf Grönland konzentriert um die Geburtsstunde, die Einsatzzeit des Kajaks zu ergründen. Es lässt sich nach der aktuellen Forschungslage bestätigen, dass die sich Saqqaqvölker, 2400 v. Chr. bereits auf dem Wasser bewegten. Ob es bereits das Jagdgerät war, ist nicht zu erklären. Aber – wenn offenes Wasser vorhanden war, die Wildtiere sich auf oder in dem Wasser zeigten, wer will bezweifeln, dass man nicht auch bereits vom Boot den Seetieren nachgestellte.

Einen interessanten Beitrag zu der Kultur liefert das Magazin „Polarfronten 1/2010 “Der erste Grönländer“. Eine Forschergruppe um Eske Willerslev, vom Grundforschungscenter für Geo-Genetik der Universität Kopenhagen, hat auf Grund von Genanalysen deDer erste Grönlaendern ersten Grönländer analysiert. 4000 Jahre alte Haare aus einer Ausgrabung in der Diskobucht ermöglichen die Aussagen zu persönlichen Eigenschaften. Die DNA Analyse sagt aus, dass es ein Mann war, der braune Augen, Blutgruppe A und dunkle Haare hatte. Es lässt sich nachweisen, dass es ein Mann der Saqqaq-Kultur war. Vergleichbare Elemente lassen sich bei den Nordostasiaten und in Sibirien nachweisen. Diese Volksgruppe gehörte zu den ersten Einwanderern nach Grönland via Alaska und Kanada. Es lässt sich ableiten, dass die Saqqaq-Kultur die zweite Einwanderungswelle war, die über Nordamerika nach Grönland kam.

Mit freundlicher Genehmigung des Forsknings-og Innovationsstyrelsen „Polarfronten“ 1/2010

Weltweit wird mit Genproben und fossilem Material geforscht. Die Forschergruppe um Eske Willerslev hat in diesem Feld einen Spitzenplatz. 2003 präsentierten sie per DNA 10.000 – 40.000 alte Pflanzen und Tierreste. 2007 präsentierte sie an Hand von Eisbohrkernen 450.000-800.000 Jahre alte Pflanzen- und Tiere. So lieferte die Forschergruppe den Beweis, dass Grönland einmal bewaldet war, wie Nordskandinavien. Gleichermaßen wurde bewiesen, dass die erste Einwanderung von Sibirien auf den amerikanischen Kontinent vor 12.300 Jahren stattfand, letztlich 1000 Jahre früher wie bisher angenommen. Ob sie Boote hatten? Es wird nicht erwähnt. Damals bestand die Landverbindung zwischen Asien und Europa.

Bei der Dorset-I Bevölkerung wird nach den Ausgrabungen in der aktuellen Literatur der Kajak wenig angesprochen. Deutlicher wird während der Dorset-II Besiedlung die Jagd per Kajak, wenn auch oberflächlich, erwähnt. Seien es einerseits die Eisverhältnisse, die einen Einsatz per Kajak zunächst nicht notwendig machten oder erforderten, so ist der Einsatz von Booten für die Jagd bei den Völkern, die viele Jahre vorher die Wanderung über die Landbrücke zwischen Sibirien und Alaska wagten, mindestens bekannt gewesen. Waren es Kajaks?

In der „Urgeschichte der Eskimo“ von Prof. Hans Georg Bandi wird berichtet, dass die Paläo-Kulturen der Aleuten zweifellos über fellbespannte Boote verfügt haben müssen. Ohne diese wäre die weitere Besiedlung der Inseln Alaskas nicht möglich gewesen. Für Schlitten und Hunde war es kein Einsatzgebiet. Als Zeit der Paläokulturen in Alaska wird die Zeit von vor 4000 Jahren per C14 Methode ermittelt.

Die Küstenbewohner, die Aleuten, haben Boote, Kajaks oder Baidarkas benutzt. Das inzwischen berühmte Dorf Anangula, auf einem kleinen Eiland vor der Insel Umnak liegend, ist der Schlüssel zu den Fragen. Die Siedlung war bereits vor 8800 Jahren bewohnt. Sie lebten von der Jagd auf Seesäuger und benutzen dazu Boote. Es ist ebenso festzustellen, dass man in Sibirien offene Boote fand, dem Umiak nahestehend. So leitet man auch die Möglichkeit ab, dass zunächst das offene Boot vorhanden war und danach der Kajak, das eingedeckte Boot; entwickelt wurde.

Die Inuitvölker, die in der Tundra Kanadas lebten, wie die Netsilik, verfügten über Boote. Es waren die schnellsten und auch gefährlichsten Kajaks überhaupt. Bei einer Länge von 6 Metern, einer Breite von unter 40 cm und einem absoluten Rundspant, waren sie beängstigen rank, das gefährlichste Fahrzeug in der Hand eines Paddlers. Es wurde damit nicht auf See gefahren, sondern ausschließlich auf Flüssen bei der Jagd auf Karibu. Dass diese Völker auch Kajaks benutzten ist verständlich, denn Sie hatten einerseits Kontakt mit den Inuitkulturen, die im Westen Alaskas siedelten, so auch mit den Indianern die bekanntlich Kanus benutzen, auch zum Fischen. In dem Buch „The Bark Canoes and the Skin Boats of North America“ S. 203 ist ein Kajak abgebildet, allerdings mit Seehundbezug. Es bliebe die Frage zu klären, wie die Netselik zu Seehundfellen kommen? Aber die Herkunft des Bootes vom King William Land wäre durchaus als „Küstennah“ zu bezeichnen.

Netsilik-Kajak

Mit freundlicher Genehmigung der Smithonian Institution; aus: The Bark Canoes and the Skinboats of Nordamerika

Die Altersangaben der Kulturen sowie der Fundstücke sind teilweise breit gestreut. Ursache ist die Tatsache, dass die Literatur die um 1930 –50 veröffentlicht wurde, selten in der Altersangabe der Exponate auf der der C14 Methode basiert. Erst in den Jahren danach wurden Exponate aus den Ausgrabungen per C14 Methode dem Alter zugeordnet.

Die Methode ist ein wichtiges Hilfsmittel bei archäologischen Untersuchungen. Mit radioaktivem Kohlenstoff kann das Alter von Holz- oder Pflanzenresten, von tierischen oder menschlichen Knochen, von Gerätschaften, die in denselben Erdschichten gefunden werden, bestimmt werden. Die Methode wurde von dem Chemiker Willard Libby (1908- 1980) in den frühen 50er Jahren entwickelt. Dafür erhielt er 1960 den Nobelpreis. Das radioaktive Datieren beruht darauf, dass einige Holz- oder Pflanzenreste, Rückstände von Kohlenstoff 14, einem radioaktiven Isotop des Kohlenstoffs, enthalten. Dieses Isotop wird von der Pflanze während ihres Lebens gespeichert und beginnt mit dem Absterben zu zerfallen. Die Halbwertzeit des Kohlenstoffs 14 ist sehr groß, cirka 5570 Jahre. Es verbleiben messbare Mengen des Kohlenstoffs, auch nach vielen 1000 Jahren. Libby zeigte auf, dass es durch eine saubere Messung möglich ist, den Anteil der verbleibenden Originalmenge des Kohlenstoffs 14 zu bestimmen. Das Verfahren erlaubt die Anwendung für Zeiträume bis zu 100.000 Jahren. Die Abweichung vom korrekten Alter kann bis 8% betragen.

Den Forschern, die zwischen Kanada und Grönland die Ausgrabungen durchführten und die Wohnplätze sowie die Fundstücke definierten, datierten, muss man ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, Fachwissen und Vermittlungsfähigkeit zusprechen.

Die in den Graphiken aufgezeigten Daten der Besiedlungszeiten haben ein breites Toleranzfeld. Dagegen sind die Daten der Tabelle, aus dem Buch Grønlandsforhistorie des Nationalmuseets Center for Grønlandsforskning , als richtungsweisend zu betrachten.

Die angefügte Tabelle vermittelt die Wege und Zeiträume der Besiedlung. Wenn Sie auf den Namen der Kultur klicken, erscheint der Bericht zu den Kulturen.

Karte Inuitwanderwege Thule Inussuk Dorset-II Dorset-I Okvik Ipiutak Birnik Independence- II Independence-I Saqqaq


Quellen:

  1. Polarfronten 1/2010 Seite 5 „Den første Grønlænder“ von Poul- Erik Philbert.
  2. Die ersten Indianer, Das Abenteuer der Besiedlung Amerikas, Brian M. Fagan, Verlag Beck 1990.
  3. Grønlands Forhistorie, Nationalmuseets Center for Grønlandsforskning Gyldendalverlag Ausg. 2005.
  4. Am Nordrand der Welt, Museum für Völkerkunde Wien, Dr. Christian Feest 1991.
  5. Eskimo, Kultur und Leben eines Volkes am Rande des Nordpols, wissenschaftl.
  6. Mitarbeit Elisabeth Bossard, Joachim Hahn, Erhard Treude, Stallingverlag Oldenburg 1977.
  7. Urgeschichte der Eskimo, Prof. Hans Georg Bandi, Fischer Verlag Stuttgart 1965.
  8. Eskimokulturen, Helge Larsen, Munksgaards Forlag, 1965.
  9. The Bark Canoes and the Skin Boats of North America, E.T. Adney and Howard I. Chapelle, Smithsonian Institution Washington D.C. 1983.