Der Kajak, historische Daten

1576 entsteht von dem Maler Luc d’Heere, ein Aquarell eines Eskimos während seines Exils in England zwischen 1577 und 1668. Später entstehen weitere bildliche Darstellungen von oft gewaltsam nach Europa verbrachten Grönlandern.


1580 gelangen erstmals mit der Expedition Frobishers Zeichnungen mit aus dem Kajak jagenden Eskimos nach Europa.

Die Abbildg. links, Stefanssons Kort ist eine Kopie von 1670 des Originals von 1590. Das Original ist verschwunden Kopie aus dem Buch "GRØNLAND I TUSEND ÅR von Erik Erngaard Verlag Lademann Kopenhagen 1972.
Die Abbildg. rechts ist eine Kopie aus dem Buch "Grönland, Kultur und Landschaft am Polarkreis" von Prof. Heinz Barüske DuMont Verlag 1990.


1587 berichtet der Engländer John Davis nach einer Grönlandreise von der bewundernswerten Umgangsweise der Eskimos mit Kajak, Schlitten und Hunden.

1605 erstellt ein Expeditionsreisender „Resen“ nach der Stephaniuskarte (s. ob), eine Grönlandkarte, auf der auch 2 Kajakfahrer abgebildet sind.

Grönländer beim Fang ca. 1619/1620

Das Bild ist der Originalausgabe des Buches „Die XXVI Schiff-Fahrt“ entnommen:
„Beschreibung einer Höchst mühseligen und gantz gefährlichen Reyse / durch den See-verständigen Captain / Herrn Johann Müncken / inn Jahren 1619 und 1620 verrichtet“.

Johann Münken war Kapitän der ersten dänischen Expedition, die im Gebiet des heutigen Churchill 1619-1620 überwinterte, nachdem der Versuch einer Nord-West Passage nicht glückte. Die Expedition wurde von Jens Munck geführt, da von der 64 köpfigen Mannschaft 62 Mitglieder, auch der Kapitän, an Trichinenkrankheit und Skorbut erkrankt waren. Bemerkenswert ist, die Expedition, lagerte auf dem Bereich der 4000 Jahre zurückliegenden Besiedlung durch die Prä-Dorset Kultur. Zum Vergleich sh. auf die Karte Dorset-Kultur.

Veröffentlich wurde die Reisebeschreibung 1650 durch Levinius Hulsius, einem niederländischen Historiker, der als Verlagsbuchhändler in Frankfurt und Nürnberg arbeitete und eigene und fremde Schriften herausgab. Man sagt den Teilnehmern, sowie Berichterstattern der damaligen Reisen nach, dass ihre Erlebnisse und Reisebeschreibungen mit mystischen Vorstellungen über monströse Erdrandsiedler teilweise umschrieben wurden. Ob somit ein Kajak als Jagdgerät tatsächlich dem Bild entsprach, ist etwas anzuzweifeln.
Quellen: Das Bild ist eine Kopie der Originalausgabe von 1650. Wir erhalten es mit freundlicher Genehmigung vom Deutschen Schifffahrts-Museum Bremerhaven.

Die Ausbreitung der russischen Pelzhändler auf der alaskanischen Seite ab 1725, die Besiedlung der Aleuten durch die Pelzhändler, hatte zwar auf die Handelsbeziehungen Einfluss. Die Form der dort verwendeten Boote, der Baidarkas, blieb von dem Einbruch der Russen ohne Bezug. Jagdtechnik und Geräte auf die Seetiere und die Paddeltechnik sind mit den grönländischen gleichzusetzen.


Am 28. September 1654 malt der Norweger Salomon v. Hauen ein Bild mit einer Gruppe dorthin verschleppter Grönländer. In das Bild fügt er oben links eine Tafel ein, auf der er vermerkt, dass die Grönländer mit kleinen Lederschiffchen auf dem Meer hin- und herfahren und ihre Kleidung von Tieren und Vögeln haben. Der Text ist in deutscher Sprache verfasst. Der Mann links, mit dem Blasenspeer (Kajakharpune), war Hiob, daneben seine Tochter Cabelau, dann rechts die Mutter Kunelig und der 13 jährige Sohn Sigoko.

Das Original des Bildes befindet sich im National Museum Kopenhagen.

Kopie der Abbildg. aus dem Buch "Grønlændernes Historie fra Urtiden til 1925", Verlag Namminersornerullutik oqartussat/Atuakkiorfik, Nuuk 1991

1721 segelt der dänische Priester Hans Egede nach Grönland, auf der Suche nach den alten Normannen. Bei seiner Ankunft berichtet er von Begleitern im Kajak. Hans Egede: „Bevor wir an Land kamen, ungefähr 2 Meilen von dort, erschien ein Teil Boote mit wilden Männern und folgte uns bis zum Abend, bis wir in den Hafen kamen. Ihr Anblick kam mir sehr miserabel vor. Gott möge sich ihrer gnädig erbarmen“


In den Jahren 1577-1607 wurden im Auftrage des dänischen Königshauses verschiedene Fahrten nach Grönland durchgeführt um Grönland als Fischereigebiet und Kolonie zu sichern. Dabei wurden auch Grönländer, überwiegend gegen ihren Willen, nach Dänemark „mitgenommen“. Sie hatten ihre Kajaks bei sich und mussten dann vor den Besuchern des Königs ihre Fahrkunst vorführen. Der Begriff Kajak, sowie die Bezeichnung Eskimo war noch nicht in Gebrauch. 1723 wurde in dem Buch „Alte und neue grönländische Fischerei und Wallfischfang“ der Kajak in Verbindung mit den Vorführungen wie folgend beschrieben:

Hier die Reinschrift, inhaltlich der damaligen Schreibweise

Es waren noch fünf gesunde übrig / als ein Spanischer Abgesandter an den Dänischen Hof kam. Der König ihm eine Lust schaffen / zeigete ihm diese Nation / und ließ ihm die ihre Behendigkeit mit ihren Kähnen zur See sehen. Um sich die Beschaffenheit dieser Fahrzeuge wohl einzubilden / muß man sich eine Weber-Schütze oder ein Weber-Schifflein vorstellen. Sie sind aus Stücken von Fischbein gemachet / in der Länge von zehn oder zwölf Fuß / in der Breite und Dicke von ungefehr einen Finger / unten und oben mit Fellen von See-Hunden oder Wallrussen überzogen / und mit Sehnen zusammen gestücket. Dieses Gestelle hat in der Mitte ein runde Oeffnung / in der Weite als ein Mann dick ist / und laufet zu beeden Seiten vorn und hinten spitzig zu / nach dem Mas und Proportionen der inneren Weite. Die Stärke und schickliche Schliessung dieses Gestells / bestehet an beiden Enden / wo die Balynen oder das Fischbein zusammen laufen / und in einander gefüget sind. Die Oeffnung / welche von oben in die Runde sich erstrecket / und deren Umfang alles von oben mit einem Verdeckel wol verwahret / ist unten mit einem halben Umfang versehen / und an den obern Umkreis an gemachet / wie ein umgekehrter Hängel an einem Korb. Man bilde sich ein, dass der untere Theil mit den Seiten-Enden einen halben Umkreis mache / und also spitzig zugehe. Dieses alles ist fest aneinander gefüget / und so wol versehen dass dis Fahrzeug wegen seiner Leichte und füglichen Figur / gegen die Gewalt der tobenden Wellen in dem größten Sturm die See halten dienen.

kann. Wenn nun das Volk sich durch die Oeffnung auf den Boden ihrer Kähne niedersetzet / strecken sie ihre Füsse gegen das eine oder das andere Ende aus / und verstopfen die Oeffnung mit den unteren Theilen ihrer Kleider / so aus Fellen von See-Hunden oder See-Kälbern gemachet sind / welche sie darum winden : auch stopfen sie ihre Hand-Ermel / ihre Schürze und das Weite von ihren Kleidern damit aus / um des willen / und damit wenn sie zur See im Sturm von den Wellen umgeworfen werden / wie öfters geschieht / das Wasser nirgends durchdringen könne / weder in das Fahrzeug / noch in ihre Kleider : also halten sie sich allezeit oberhalb dem Wasser / und retten sich bei Sturm weit besser / denn große Schiffe. Sie gebrauch nur einen kleinen Riemen / Fünf oder sechs Schue lang / einen halben Schue platt und und breit zu beiden Seiten / welche ihnen zugleich für eine Gewicht-Stange dienet / um das Gewicht zu halten / und für ein doppeltes Ruder / um an beeden Seiten ziehen zu können. Der besagte Abgesandte stünde voller Verwunderung / als er die Geschwindigkeit der Grönländer und die Wendigkeit ihres Schiffleins sahe. Sie kreuzeten mit einer solchen Behändigkeit / durcheinander / dass einem das Gesicht davon verginge / ohne dass sie einander im geringsten an Bord kamen / Der König war begierig zu wissen / ob eine Chaloupe von sechzehn Rudern diese Nachen einholen könnte; und fande / dass die Chaloupe zu thun genug hatte. Der Abgesandte verehrete einem jeden von dieser Nation etwas an Geld / welches sie dahin verwendeten / sich auf dänische Art zu kleiden. Einige trugen grosse Federn auf ihren Hüten / und gingen gestiefelt und gespornet daher / liessen auch dem Könige ihre Dienste anbieten / um für Reuter zu dienen.
Das Maß 1 Schue entspricht 30,48 cm, allerdings mit leichten geographischen Unterschieden.

Auszug aus dem Buch „Alte und neue grönländische Fischerei und Wallfischfang“ von Cornelius Gijsbertsz Zorgdrager, ausgeführt von Abraham Moubach und aus dem holländischen übersetzt von Erhard Reusch aus dem Jahre 1723. Das Buch erschien als fotomechanischer Nachdruck 1975 bei Buchhandlung und Antiquariat Horst Hamecher Kassel, hergestellt von dem Verlag Anton Hain KG, Meisenheim / Glan.
Mit der Bezeichnung "Nation" in dem obigen Text sind die Grönländer tituliert.


1726 treiben drei Kajakgerüste in Island an und gelten als Nachweis, dass an der Ostküste Menschen leben. 1765 beschreibt David Cranz, ein Abgesandter der Herrnhuter Brüdergemeine, die von 1733 -1900 als Missionare in Grönland wirkten, in der Historica Grönlandia das „Manns-Boot, den grönländischen Kajak und erklärt 9 verschiedene Techniken der Eskimorolle.

David Cranz war Missionar und Lehrer bei den Herrnhuter Priestern. Er war der erste, der das Leben und die Kultur der Eskimo beschrieb, wobei der Name "Eskimo" noch nicht verwendet wurde.

Historie von Grönland 1. und 2. Teil 1752, Zweite Ausgabe 1770. Die Abbildg.ist eine Kopie aus dem Buch "Grönland, Kultur und Landschaft am Polarkreis" von Prof. Heinz Barüske, DuMont Verlag 1990. Das Original des Bildes ist in den Büchern "Historie von Grönland" 1752, enthalten

Thule- Inussuk- und Reste der Dorset-Kultur vermischen sich und breiten sich bis Ostgrönland aus. Innerhalb der Inussuk-Kultur wurde das Kajak in einem Anpassungsprozess weiter entwickelt, das wir in den Jahren 1500 n. Chr. und später als das elegante Fahrzeug kennen gelernt haben. Die Besiedlung Grönlands durch die Normannen, "Erik der Rote" und seiner Nachfahren (982- 1500n. Chr.) hatte auf die Entwicklung der Jagdtechniken sowie auf Umjak und Kajak keinen Einfluss.


Am 30. Juli 1889 traf Fridtjof Nansen an der Ostküste erstmals mit Grönländern zusammen. Bei der Begrüßung schreibt Nansen, "die Kajakmänner kriechen aus ihren Booten".

Die Abbildg. ist eine Kopie aus dem Buch "Auf Schneeschuhen durch Grönland" von Dr. Fridtjof Nansen. Bd. 1. Erstausgabe 1891 Verlagsanstalt Hamburg
Der Text in dem Bild lautet:
Der Abschied der Kajakmänner bei Kap Bille Mehrere Kajaks flogen pfeilschnell hintereinander gen Süden. (von A. Bloch nach einer Photographie.)


Um 1950-60 wird durch die Veränderung der Erwerbsmethoden, dem Einfluss der Europäer, die Anwendung von Motorbooten, auch die Weiterentwicklung der Kajaks, so auch die Benutzung, zunächst beendet.