Staatliches Museum für Völkerkunde München
Kajak aus: Wahrscheinlich Grönland
Text aus dem Buch: Kanuitpit
Das Kajak des Völkerkundemuseums München.
Eine Präsentation der Museumssammlungen zu dem Thema Kunst und Kultur der Eskimo.
Kajak mit zwei Paddeln
Leder und Holz.
Kleiner Kajak, vermutlich von einem Eskimokind benutzt um die Kunst des Kajakfahrens zu lernen. Den Kajak benutzte der Eskimojäger, um in der warmen Jahreszeit Seesäuger und Vögel zu jagen. Da er den unteren Rand seiner Parka über den Süllrand binden konnte, war das Boot praktisch unsinkbar und konnte eine Rückkehr von der Jagd selbst bei schlechtem Wetter gewährleisten.
Es lassen sich mindestens 28 Kajaktypen im Eskimogebiet unterscheiden, danach stammt dieses Boot aus Südwestgrönland (Rousselot ) 1983: Seiten 227 u. 228, Zerries 1978 und Müller (1980) haben die Herkunft des Bootes aus Archivmaterial rekonstruiert. So ist der abgebildete Kajak „ das früheste erhaltene und idenfizierte Stück des Münchner Völkerkunde Museums. In einem Inventar aus dem Jahre 1689 ist die abenteuerliche Geschichte dieses Objekts aufgezeichnet. (Müller 1980: 15 ) Der Kajak soll mit einem anderen samt Besatzung, einem Mann, seiner Frau und einem Kind, im Jahre 1577 von Grönland an die holländische Küste im Sturm verschlagen worden sein. Graf Moritz, ein holländischer General, behielt eines der Fahrzeuge, schenkte das andere dem Grafen von Hanau. Der es wiederum an Herzog Wilhelm V. in Bayern weiterverschenkte.
Dr. Kai Birket Smith vom dänischen Nationalmuseum (Katalognotiz vom 11. 5. 1931 hingegen hält es für ganz unmöglich, dass der Kajak durch einen Sturm von Grönland nach Holland verschlagen worden sein. Vermutlich sind die Eskimo und die beiden Kajaks in dieser Zeit von Polarfahrern nach Europa mitgebracht worden. (Zerries 1978: 22)
Es gibt eine Anzahl von ähnlichen Fällen, bei welchen Eskimo samt Ausrüstung nach Europa um sie auf Märkten zur Schau zu stellen (Nooter 1971)
Die zu Beginn des 19. Jhs geschriebene Eintragung im Akzessionskatalog ist für dieses Objekt irreführend und nicht korrekt. Sie lautet lapidar: „Sammlung James Cook, ein Canot (Boot) von Leder in Original-Größe für einen Eskimo. Von der NW Küste Amerika`s Nr. 733/34 Zwei Ruder zum Boot No 739 sind am Boot befestigt.“
Bauweise Material und die Form des Bootes und der Paddel sind charakteristisch für das Grönland des 17. Jhs ; die Boote aus Alaska beruhen auf ganz anderen nautischen Erkenntnissen.
Zum Boot:
Südwest Grönland
Kajak Länge: 3,35
Breite: 48 cm
Höhe 18 cm
Gewicht 6 kg
Wittelsbacher Kunstkammer nach 1677 Inventur 1689

Foto: Aus Kanuitpit, mit freundlicher Genehmigung von Stefania Beretta (copyright ©)
Völkerkundemuseum München