Schiffergesellschaft Lübeck
Kajak aus: Grönland
Der Bericht des Bootes folgt einer Beschreibung von Georg Hartwig, Seelze, Dipl. Ing. Ulrich Gabler
und den Untersuchungsergebnissen von Werner Neugebauer aus Heft 55/1982 „Mitteilungen
der Geografischen Gesellschaft zu Lübeck.
Am 9. August 1606 wurde aus einem grönländischen Fjord, in der Nähe des
heutigen Sisimiut (Holsteinborg), ein Kajak „mitgenommen“. Ob es so war oder ob es
eine Geschichte, die in den Jahren entstanden ist, bleibt ungeklärt. Tatsache ist, dass
dieses Kajak noch heute in der Lübecker Schifffahrtsgesellschaft, einem höchst
empfehlenswerten Lokal, befindet. Das Kajak kam mit der Danish Arctic Expedition 1605 – 1620
zumindestens nach Europa. John Brand, ein renomierter britischer Kajakforscher, berichtet in
seinem Buch „little Kayakbook 1 von diesem Boot. In dem Buch ist ein Brief veröffentlicht,
in dem John Heath, ein amerikanischer Kajakforscher von diesem Boot berichtet, letztlich
aus einem Buch von C.C. A. Gosch, der von der dänischen Expedition berichtet.
Das Lübecker Kajak dürfte eines der ältesten Kajaks weltweit sein.
Zu der technischen Bewertung: Der Kajak ist, anders wie eventuell Ruderboote oder motorgetriebene Boote, letztlich eine Verlängerung des Körpers. Es ist untrennbar mit den Fahrer verbunden und in seiner Anwendung von dem Können des Fahrers abhängig. Die Wendigkeit eines Eskimokajaks ist, bedingt durch Länge und Rumpfform eingeschränkt. Der Fänger braucht auf See oder beim Fang kein wendiges Fahrzeug. Es musste schnell und Kursstabil sein.
Zur Herkunft des Bootes: Die Herkunft ist, wie eingangs berichtet, nicht exakt geklärt. Die Lübecker meinen, dass das Boot samt Fahrer aus Seenot vor der grönländischen Küste gerettet wurde. Der Fahrer, in einem geschwächten Zustand, ist kurz darauf verstorben. (Erschwert wurde die Klärung dass die Unterlagen der Schiffergesellschaft im Jahre 1987 in der DDR lagerten)
Es wurde ermittelt, dass in Hall, England ein annähernd gleiches Boot lagert. Beide Kajaks stammen aus der gleichen Zeit und sind mit dem Lotsen der dänischen Expedition, James Hall, nach Europa gelangt.
Nach der Form: unzweifelhaft ist, dass der Lübecker Grönländer tatsächlich aus Westgrönland stammt. Es lassen sich leicht Vergleiche mit jüngeren Booten in den weiteren Museen, deren Herkunft geklärt ist, anstellen. Der Kajak war kein Baustein mit festen Maßen. Er musste für jeden Fahrer, den materiellen, soziologischen und Umweltbedingungen angepasst werden. Zwei nebeneinander liegende Boote aus dem gleichen Zeitraum können somit in der Form und den Maßen durchaus weit voneinander abweichen.
Die Maße des Bootes: Es wäre gewagt, wenn in der heutigen Präsentation des Bootes, die Maße als den Schlüssel zur Herkunft des Bootes verwenden würden. Unstreitig bleibt es ein westgrönländischer Kajak. In den 300 Jahren seiner Lagerung können sich durchaus Veränderungen im Holzgerüst und in der Lederbespannung ergeben haben. Die Bespannung mit vier Häuten schließt Seehundshäute aus. Es wurden im Süden Grönlands Klappmützenfelle verwendet, im mittleren Grönland wurden Sattelrobbenfelle verwendet und im Norden wurden Ringelrobben zur Bespannung genutzt. ( Es muss darauf hingewiesen werden, dass die Haut durch die besondere Behandlung teilweise um das doppelte gestreckt werden konnte. Sh. Bau des Bootes)
Eine makabre Geschichte verbindet sich mit dem Boot in Lübeck. So soll die Holzfigur in dem Boot tatsächlich der ausgestopfte Leichnam des Fahrers sein.
Das Boot wurde in den 300 Jahren mehrmals restauriert. 1911 hatte man mit einer Holzverstrebung innen und mit Dachpappennägeln einen 1. Versuch unternommen dieses Boot zu erhalten. Später schuf man eine Konstruktion auf der das Boot gelagert wurde um die herunterhängenden Bug und Heckteile wieder in die korrekte Form zu bringen.
Eine Untersuchung des Kajaks ergab, dass mit den auf dem Rumpf vermerkten Jahreszahlen 1607, 1668, 1821, 1911 auch eine gewisse Bearbeitung des Bootes stattfand. So war das Boot früher braun und ist heute blaugrün. So wurde auch die Figur in den Jahren jeweils neu bearbeitet.
Das beigefügte Paddel ist aus Eichenholz gefertigt. Es kann abgeleitet werden, dass das Paddel in einem späteren Zeitpunkt nachgefertigt wurde, da zudem Eichenholz an der westgrönländischen Küste äußerst selten, wenn überhaupt vorgekommen ist. Die letzte Restaurierung der „jacht ut Gronlandt“ fand 1979 statt.
Die Maße laut Beschreibung:
Länge: 5,3 m
Breite: 0,49 m
Seitenhöhe in der Mitte 0,17 m an Backbord, 0,19 an Steuerbord.
Gewicht : 15 kg
Zu Erreichung einer gewissen Seefähigkeit ist der Bug um 0,15 m gegenüber dem Heck etwas höher gezogen.
Das Boot ist weitgehend identisch mit dem Boot aus dem Deutschen Museum in München von 1907. Berücksichtigt man die Tatsache, dass das Münchner Boot durchaus auch älter sein kann, 1907 ist der Erwerbszweitpunkt, bleibt resultierend, dass es über einen Zeitraum von 250- 300 Jahren annähernd keine Weiterentwicklung gegeben hat. Man kann sagen, dass mit dieser Konstruktion das Optimum erreicht wurde.
Das Boot wurde von Harvey Golden 2000 vermessen, nachgebaut und in seinem Buch „ Kayaks of Greenland“ als Nr. 1 Seite 118/119 veröffentlicht.
Die Maße lt. Harvey Golden:
Länge: 532,7 cm
Breite: 46,9 cm
Höhe des Einstiegs: 19 cm
Seitenhöhe: 21,2 cm
Eine ausgezeichnete Arbeit in der Vermessung, Zeichnung und Präsentation.

Mit freundlicher Genehmigung von Harvey Golden, aus dem Buch "Kayaks of Greenland"

Bild Links: Innenansicht des Nachbaus des Lübecker Kajaks von Harvey Golden. Foto: HarveyGolden
Bild Rechts: Innenansicht des Lübecker Kajaks um 1987 Foto: Georg Hartwig


Harvey Golden, USA, Portland in dem Nachbau des Lübecker Kajaks
Textblatt 1 +2 aus: Seekajak
links: Innenansicht Bugteil,rechts Heckteil des Lübecker Bootes. Das Alter der Aufnahme ist unbekannt. Zu erkennen ist, dass der Verfall durchaus fortgeschritten war.


Aufnahmen: Moritz Ebert
Paddeln wie 1607: Auf Tour mit einem Grönlandkajak Aus den Lübecker Nachrichten vom 20.10.2008
Moritz Ebert kämpft sich durch die aufgewühlte Wakenitz. Vor dem kalten Wasser schützt ein Trockenanzug – nur die Finger müssen frieren. Foto: Neelsen
Lübeck - Das Original hängt in der Schiffergesellschaft, die Kopie schwimmt auf der Wakenitz: Moritz Ebert hat ein ganz besonderes Kajak gebaut.
Lautlos gleitet Moritz Ebert in seinem schwarzen Grönlandkajak über die Wakenitz. Über ihn ziehen dunkle Wolken auf. Kalter Wind weht um seinen Kopf, doch die Wellen scheinen die Fahrt des jungen Lübeckers kaum zu beeinflussen. Unbeirrt zieht er seine Kreise. Genau wie die Eskimos es seit Jahrhunderten tun, schwört der Lübecker auf den „Urahn“ der Kajaks.
Aufmerksamen Beobachtern könnte das einsitzige Paddelboot einigermaßen bekannt vorkommen. In der Schiffergesellschaft hängt ein ähnliches Modell an der Wand des Hanseraums. Beide Boote sind 5,35 Meter lang und wiegen gerade einmal 16 Kilogramm. Aber das Kajak in der Schiffergesellschaft ist schon über vier Jahrhunderte alt. Der Nachbau von Moritz Ebert existiert gerade einmal seit vier Monaten. Und noch einen Unterschied gibt es: Das Grönlandkajak von 1607 ist aus Seehundshaut gefertigt, das des gelernten Grafikers aus mit Coelan beschichtetem Nylon. „Die Seehundshaut war gerade aus“, sagt Ebert und lacht.
Fünf Monate lang zog sich der 27-Jährige Abend für Abend in seinen Heizungskeller zurück und bastelte an seinem Kajak. „Harvey Golden, ein Kajakexperte aus den USA, hat das Boot mal vermessen“, berichtet Ebert. „Daher hatte ich die Maße.“ Im Februar begann Moritz Ebert mit dem Bau. „Das Bauen war gar nicht so schwer, ich hab mich da so durchgewühlt und viel probiert.“
Richtig schwer wurde es erst bei der Jungfernfahrt. „Ich habe nie zuvor in so einem Ding gesessen und bin sofort ins Wasser gefallen“. Noch heute sieht der Einstieg ins Boot wackelig aus. Doch der Lübecker möchte nur ungern in ein anderes Boot steigen. „Moderne Boote sind schwerer, und mit meinem Grönländer kann ich bis zu sechs Knoten schnell paddeln.“
Von Seb. Rosenkötter

Die Eleganz des grönländischen Kajaks wird bei der Seitenansicht, im Beginn der Eskimorolle sichtbar.

Von dem Lübecker Moritz Ebert wurde das Boot kopiert und wird auch in sportlicher
Anwendung gefahren.
sh. Anlage: Lübecker Nachrichten vom.
Länge: 532,7 cm
Breite: 46,9 cm
Höhe Einstieg: 19 cm
Höhe Seitenhöhe: 21 cm
Das Lokal in Lübeck in dem der Kajak präsentiert wird.
Restaurant Schiffergesellschaft
Breite Str. 2
23552 Lübeck
T. 0451-76776
F. 0451- 7327
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Restaurant Schiffergesellschaft
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